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Weitere Informationen zur Hausstauballergie
und deren Bekämpfung.
Veröffentlichung nach freundlicher Genehmigung von:
Dr.med. Markus Haase, Dr. med. Jens Dietrich, Dr. med. Beatrix
Steinebrunner
Fachärzte für Hautkrankheiten, ALLERGOLOGIE, Venerologie, ambulante Operationen,
Bremsstr.19 50969 Köln,
Tel.: 0221 - 936 414 0, Fax: 936 414 3
Hausstaubmilbenallergie
Diese Information soll Ihnen ein wenig helfen, die Krankheit besser zu verstehen.
Wir möchten Ihnen Wege zeigen, wie Sie trotz Ihrer Allergie in Ihren eigenen vier Wänden
annähernd beschwerdefrei leben können.
Der Staub in jedem Haus, eigentlich in jedem Zimmer, ist immer anders
zusammengesetzt. Er enthält Haare und Hautschuppen der dort lebenden Menschen und ihrer
Haustiere, außerdem Fasern von Stoffen, Teppichen, Bettzeug und Möbeln, feine
Bestandteile von Zimmerpflanzen oder solche, die durchs Fenster hereinfliegen und
natürlich unsichtbare, zumeist nicht gesundheitsgefährdende Bakterien, Pilze und Algen.
Jeder dieser Bestandteile kann theoretisch die Ursache für eine Allergie
sein.
Erstaunlich ist nun, daß die meisten Hausstauballergiker auf viele Arten von Hausstaub
reagieren, selbst wenn die Staubproben z. B. aus Übersee kommen.
Man weiß, daß eine Allergie immer speziell gegen einen ganz bestimmten Stoff gerichtet
ist. Es muß daher im Hausstaub etwas geben, was überall vorkommt. Erst in den letzten
Jahren hat man herausgefunden, daß es sich hierbei um ein winzig kleines Insekt handelt,
die Hausstaubmilbe. Sie kommt auf der ganzen Welt
vor und lebt wie Bakterien und Pilze im Hausstaub. Sie ernährt sich von
menschlichen Hautschuppen.
Hausstaubmilben sind winzige Spinnentierchen (0,1-0,5 mm groß), die mit dem
bloßem Auge nicht erkennbar sind. Sie sind natürlicher
Bestandteil des Ökosystems in fast jedem Haushalt, also kein Anzeichen für mangelnde
Hygiene oder Sauberkeit.
Hausstaubmilben sind lichtscheu und entwickeln sich in Lebensräumen mit einer relativen
Luftfeuchtigkeit von 65 - 80% und einer Temperatur zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Ihre
Nahrung liefert der Mensch selbst mit seinen Hautschuppen.
Täglich stößt ein Erwachsener etwa eineinhalb Gramm Hautschuppen ab, genug für ca.
100.000 Milben.
Milben übertragen keine Krankheiten, meiden den Körperkontakt und ihre Anwesenheit wird
normalerweise erst bemerkt, wenn ein Familienmitglied allergisch auf die kleinen
Mitbewohner reagiert.
Die Gründe für die allergische Anfälligkeit bestimmter Personen sind noch nicht
bekannt. Man weiß jedoch, daß das Immunsystem des Hausstaubmilbenallergikers nicht auf
die Hausstaubmilbe selbst,
sondern auf bestimmte Eiweiße des Milbenkots übersteigert reagiert.
Mit Beginn der warmen und feuchten Witterung im Frühsommer fangen die Milben an,
sich zu vermehren. Obwohl die meisten Hausstaubmilben mit Beginn der Heizperiode durch die
niedrige Luftfeuchtigkeit absterben, erreichen die allergischen Beschwerden gerade dann
ihren Höhepunkt, da sich jetzt die maximale Menge von Kot angesammelt hat. Die
Kotbällchen trocknen aus, zerfallen und werden als Feinststaub aufgewirbelt und mit der
Atemluft inhaliert.
Der "Milbenkotallergiker" liegt bildlich gesehen Nacht für Nacht in
einer Staubwolke aus Milbenkot, die aus der Matratze aufgewirbelt wird. Die Beschwerden
treten in erster Linie an den Atmungsorganen und den Augen auf: Der Patient reagiert mit
Augentränen, laufender Nase, Niesanfällen und Husten, in schwerwiegenden Fällen mit
milbenbedingtem Asthma und Atemnot. Zu besonders heftigen Beschwerden, wie Niesanfällen
oder Asthmaanfällen und Atemnot kommt es sehr häufig nach dem Aufwachen oder beim
Bettenmachen.
Neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge durchdringen bestimmte Bestandteile des
Milbenkots sogar die Haut und führen, z.B. bei Neurodermitikern, die eine Allergie gegen
Hausstaubmilbenkot haben, zu ständigem Juckreiz und Ekzemen an der Haut.
Wo halten sich die Milben auf ?
Hausstaubmilben leben überall, wo sie günstige Lebensbedingungen finden und mit Nahrung,
also Hautschuppen, versorgt werden.
Besonders große Milbenansammlungen werden in der Regel dort gefunden, wo der
Mensch besonders häufig liegt (Matratze!!) und sitzt, wo er sich umzieht oder die Haare
kämmt, denn hier ist die Zufuhr von Hautschuppen am größten.
Die Verteilung der Milbenbelastung ist von Haushalt zu Haushalt unterschiedlich und hängt
im wesentlichen von den speziellen klimatischen Verhältnissen und vor allem von den
Lebensgewohnheiten der Bewohner ab.
Geographisch gesehen sind insbesondere feuchtwarme Landstriche betroffen, während
hochgelegene Gebirgsregionen oder trockene Wüstengebiete wegen ihrer niedrigen
Luftfeuchtigkeit in der Regel milbenfrei sind.
Was kann man bei einer Hausstaubmilbenallergie tun ?
Nach einer gewissenhaften Diagnose der allergischen Erkrankung ist es das wichtigste Ziel,
die Ursachen der Allergie zu bekämpfen. Dies geht nur, wenn Sie den Kontakt mit Milbenkot
radikal meiden !!!
Wie ist der Kontakt mit Milbenkot zu meiden ?
Dazu müssen Sie sich noch einmal vor Augen führen, wovon Hausstaubmilben eigentlich
leben:
Hausstaubmilben leben von Hautschuppen !
Die Versorgung mit Nahrung (Hautschuppen) ist durch den Schlafenden in der Nacht in
idealer Weise gewährleistet. Da auch Hautschuppen der Schwerkraft unterliegen, ist somit
auch der Milbenkot vermehrt dort zu finden, wo der Mensch sich häufig und lange aufhält.
Nun wird sicherlich verständlich, daß der Matratze und dem
Kopfkissen oberste Priorität zukommen müssen, weil jede Nacht etwa ein GrammHautschuppen
in die Matratze abgesondert werden. Dabei bieten weder Schaumstoff- noch Latexmatratzen
einen Schutz vor Milbenbefall, denn Milben fühlen sich sowohl in Natur- wie in
Kunstfasern zu Hause. Insbesondere ältere Matratzen (älter als 1-2 Jahre oder gar noch
älter) stellen ein sehr großes Problem dar, weil sich tief im Gewebe so viele Allergene
(Milbenkot) angesammelt haben, daß sie kaum zu entfernen sind. Durch seine Körperwärme
und-feuchtigkeit sorgt
der Schlafende zusätzlich für optimale Lebensbedingungen der Milbe. Jetzt wird auch
deutlich, warum viele Patienten vor allem nachts und morgens über besonders schwere
Symptome klagen.
Was ist zu tun ?
1. Als sehr hilfreiche und kostengünstige Sofortmaßnahme empfehlen wir Ihnen, alle
Matratzen in dem Zimmer, in dem Sie schlafen, mit einer ausreichend großen
Maler/Anstreicher - Plastikfolie zu umwickeln. Somit haben Sie ihren Körper von dem
Milbenkot getrennt. Um auf der Plastikfolie nicht zu schwitzen, empfehlen wir Ihnen
ferner, die Matratze mit ca. 3 Spannbettüchern zu überziehen, da andere Bettlaken
ständig auf der glatten Unterlage verrutschen. Die unteren Spannbettücher
sollten natürlich auch gelegentlich gewaschen werden, um einer sonst
unvermeidbaren Neubesiedelung mit Hausstaubmilben und deren Kot
entgegenzuwirken. Diese Maßnahme mit der Plastikfolie ist natürlich keineDauerlösung,
sondern nur der Versuch ob sich Ihre Beschwerden bessern.
Statt der Plastikfolie gibt es die Möglichkeit, für ca. DM 200 - 400,- einen
milbenkotdichten Matratzenbezug zu kaufen, der atmungsaktiv ist ( wasserdampf- und
luftdurchlässig). Ältere Matratzen sollten Sie
durch eine neue Matratzen ersetzen. Auf die Matratze sollten Sie auf jeden Fall eine
ausreichend dicke Matratzenauflage legen und diese etwa monatlich waschen. Das verhindert
zuverlässig eine Neubesiedlung mit Hausstaubmilben.
2. Kopfkissen und Bettdecken sollten bei etwa 60 Grad Celsius waschbar sein, denn ab
dieser Temperatur sterben die Milben ab. Insbesondere das Kissen sollte einige Male im
Jahr gewaschen werden.
Weitere Sanierungsmaßnahmen können Sie sich in aller Regel sparen, da sie meistens mit
unzumutbaren finanziellen oder persönlichen Opfern verbunden sind.
Außerdem sind sie häufig wenig hilfreich.
In ausgewählten Einzelfällen kann sich die eine oder andere Maßnahme, je nach
Wohnungsbeschaffenheit, jedoch günstig auswirken. Der Vollständigkeit halber folgen
deshalb noch einige allgemeine Ratschläge:
1. Staubsauger sollten über milbenkot- und pollendichte Mikrofilter verfügen, da Sie
ansonsten den Milbenkot lediglich gleichmäßig in Ihrer Wohnung verteilen. Beim
Staubsaugen alle Fenster öffnen und Durchzug machen.
2. Meiden Sie alte Teppiche, besonders vor dem Bett, auf dem Sie sich ausziehen und auf
dem es zu größeren Ansammlungen von Hautschuppen kommt. Falls Sie einen Teppich haben
und auf diesen aber nicht verzichten möchten empfehlen wir ihnen dringend diesen Teppich
2 Mal jährlich naß zu saugen (Naßsaugegeräte werden
sehr häufig bei Reinigungen usw. verliehen oder sind in Baumärkten o. ä. zu erwerben).
3. Glattledersofas/Sessel/Liegen (nicht Veloursleder ! ) sind besser als textile Polster.
4. Glatte Bodenflächen sollten Sie nicht fegen, sondern feucht wischen, da so weniger
Staub aufgewirbelt wird.
5. Lüften Sie Ihre Wohnung oft und gründlich.
Hausstaub und Hausstaubmilben lassen sich in einem Haus niemals ganz beseitigen. Eine
Hyposensibilisierung empfiehlt sich daher in vielen Fällen. Dadurch wird der Körper
gegen diese Allergene unempfindlich gemacht. Bei der Hyposensibilisierung wird über einen
längeren Zeitraum dem Körper eine kleine, langsam steigende Dosis des krankmachenden
Allergens unter die Haut gespritzt,bis nach ca. 2-3 Jahren die allergischen Reaktionen
fast vollständig verschwinden.
Wir hoffen, Ihnen mit dieser Zusammenfassung der neuesten Literatur und
Forschungsergebnissen ein wenig geholfen zu haben.
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